Malik Riaz Hai Naveed sitzt auf der Couch und schaut Fußball. WM-Qualifikation. Erstmal in ein Szenario, das in einem Fußball-verrückten Land wie Deutschland kein Novum ist. Ein kleines Detail ist aber auch für den pakistanisch-stämmigen Malik neu. Eine der teilnehmenden Mannschaften ist die Nationalmannschaft Pakistans.  Wie man das heutzutage so macht, wenn man das erste mal von etwas hört und mehr wissen möchte, setzt sich Malik Naveed an den Computer und googelt „Pakistan“ und „Fußball“. Die Ergebnisse dieser Suche werden sein Leben für die nächsten Jahre grundlegend verändern. Wie genau, erfahrt ihr im Interview.

Wann und wie ist Ihre Leidenschaft für Fußball entstanden und welchen Stellenwert nimmt dieser Sport in Ihrem Leben ein?

Als Kind in Deutschland wird man von Anfang an mit König Fußball konfrontiert. So ist es nicht verwunderlich, dass ich auch schon immer Fußball interessiert war und auch Fan geworden bin.

Spielen Sie privat auch selbst gerne Fußball?

Ich habe in der Jugend selbst mal 2-3 Jahre gespielt, bis ich mich 2004 entschied Schiedsrichter zu werden. Seit dem bin ich dem Sport treu und stehe fast jedes Wochenende auf dem Sportplatz.

Welche Unterschiede gibt es zwischen dem deutschen und dem pakistanischen Fußball?

Der Unterschied ist so groß wie Tag und Nacht. Es fängt mit der Organisation und Administration an. Der pakistanische Verband ist unprofessionell und korrupt. So hat sich seit 2003 nicht wirklich etwas im Fußball getan. Wieso? Weil sonst ja verschiedene Fördergelder eingestellt würden, die den Funktionären ein netter Nebenverdienst sind.

2003 haben Sie die erste und einzige Webseite über pakistanischen Fußball gegründet. Welche Idee und welche Absichten standen dahinter?

Ich habe im TV die Qualifikation für die Weltmeisterschaft verfolgt und gesehen, wie Pakistan Ergebnisse eingefahren hat wie 1-8 oder 0-6. Ich war zunächst überrascht, dass Pakistan auch eine Nationalmannschaft hat. Als ich recherchierte, spuckte Google mir nur Ergebnisse wie „Kinderarbeit“ und „Ballproduktion“ aus. Ich musste etwas tun und gründete FootballPakistan.com

Was wird den Usern auf der Webseite geboten?

Zunächst waren wir ein reines Informationsmedium inklusive Diskussionsforum. Wir haben also als Sprachrohr für alle News aus dem pakistanischen Fußball gedient. Aber es entwickelte sich mehr daraus. Wir haben Spieler vermittelt, Pakistan-stämmige Spieler im Ausland gescoutet und für die Nationalmannschaft gewonnen, Kooperationen mit Verbänden arrangiert und noch viel mehr. Wir stehen jetzt auch als Experten des pakistanischen Fußballs im TV zur Verfügung und können so noch mehr bewirken.

2008 waren sie Team-Manager des Premiere League Teams „PMC Club Athletico Faisalabad“. Wie kamen Sie zu diesem Job und was waren Ihre Aufgaben?

Wir haben gemerkt, dass wir mehr tun müssen als nur schreiben. Wir wollen den Fußball in Pakistan grundlegend beeinflussen und wie geht das besser, als mit einer Mannschaft, die in der ersten Liga spielt. So haben wir einen Verein gesucht, den wir rebranden können. Mit den Werksvereinen wie denen der Navy, Army etc. geht das natürlich nicht. So haben wir PMC Faisalabad zu PMC Club Atheltico gemacht. Wir waren der erste Fußballverein mit Website, Youtube Channel und Marketingkonzept. Als Teammanager war ich quasi „Mädchen für alles“. Von der Strategie, über Presse oder Reiseorganisation.

Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Zeit als Manager gesammelt?

Wir sind auf viel positives Echo gestoßen. Spieler haben professionelle Verträge bekommen und sind auch in den Medien gelandet. Allerdings hat der Verband uns Steine in den Weg gelegt, denn wie können „Ausländer“ nach Pakistan kommen und einen besseren Job machen, als sie selbst. So sind wir nach drei erfolgreichen Jahren ausgestiegen, um dem Verein nicht zu schaden.

In Deutschland sind Sie auch als Schiedsrichter tätig. Was machten die Attraktion dieses Berufs für Sie aus?

Ich wollte dem Fußball immer verbunden bleiben. Aufgrund mangelnden Talents als Spieler und meiner ausgeprägten Persönlichkeit bot sich das an. Nun stehe ich auf dem Platz, verteidige die Regeln und versuche auch immer eine Art Lehrauftrag auszuüben.

Pakistan hat es bei Weltmeisterschaften bisher noch nie über die Qualifikationsphase hinaus geschafft. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Ist das lediglich einem zu schwachen Team geschuldet oder fehlte bisher einfach auch das nötige Quäntchen Glück?

Es gibt viele Einflüsse: Falsche Prioritäten beim Verband, fehlende Organisation und vor allem keine professionelle Liga in Pakistan. Wenn man eine gut funktionierende Liga hat und dort die Spieler ausbildet, diese dann gemeinsam mit den ausländischen Pakistani die Nationalmannschaft bilden, hat man gute Chancen Fortschritte zu machen. Aber leider ist der Verband sehr politisch und nicht am Wohl des Fußballs interessiert. Das sieht man auch jetzt an der aktuellen Situation, wo zwei Seiten proklamieren, die letzte Wahl gewonnen zu haben.

Angenommen Deutschland und Pakistan stünden sich in einem Weltmeisterschaftsspiel gegenüber. Welcher Mannschaft würden Sie als gebürtiger Deutscher mit pakistanischen Wurzeln den Sieg wünschen.

Sehr gute Frage. Im Moment sehe ich Pakistan nicht bei einer WM, und genau deshalb wären meine Sympathien wohl bei Pakistan, wenn sie es denn überraschender Weise mal schaffen.

Inwiefern kann Fußball Ihrer Meinung nach zum kulturellen Austausch beitragen?

Fußball hat einen großen Einfluss. Nicht nur Länderübergreifend, sondern auch über nationale Schichten Hinweg. Denn ein solcher Mannschaftssport kann von jedem gespielt werden. Da muss die Elite mit den Arbeitern zusammenspielen, um erfolgreich zu sein. Fußball kennt keine Grenzen und verbindet Menschen jeglicher Couleur. Aber auch wenn Pakistan gegen Indien spielt – wie in 2005 – wo die Politik kurz vor einem Krieg steht, kann es zeigen, dass es Menschen immer näher zusammenbringen kann.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft des pakistanischen Fußballs?

Mein Wunsch ist, dass wir eine professionelle Führung bekommen und den Fußball nach vorne bringen. Viele Kinder in Pakistan kennen die Spieler wie Ronaldo oder Messi, aber wer Kapitän der pakistanischen Nationalmannschaft ist, wissen sie nicht. Wir müssen das ändern, denn Fußball genießt viel Zuspruch.

Vielen Dank für das Interview.