Jamal Qaiser kam mit 8 Jahren nach Deutschland. Nach anfänglichen Problemen, die hauptsächlich auf die Sprachbarriere zurückzuführen waren, fand er schon bald Freunde und integrierte sich vorbildlich in seiner neuen Heimat. Wir haben den erfolgreichen Geschäftsmann und Buchautor interviewt.

Pakistan Portal: Herr Qaiser, Sie wurden vom Diplomatic Council für Ihren unermüdlichen Einsatz in der Völkerverständigung zum Business Ambassador ernannt und sind gleich zum Commissioner für UN Affairs berufen worden. Was genau tragen Sie zur Völkerverständigung bei?

Jamal Qaiser: Seit Jahren versuche ich, in nationalen und internationalen Ausschüssen  in Regierungs- und Nichtregierungsapparaten meine Anregungen bezüglich der Völkerverständigung für Weltfrieden zu vermitteln. Vor kurzem habe ich ein Buch „Der fremde Erfolgsfaktor“ veröffentlicht, in dem ich unsere Außenpolitik bezüglich Syriens beschreibe und die Hintergründe der Flüchtlingswelle schildere. Gleichzeitig lege ich meine Auffassung dar, warum wir in den Kalten Krieg mit Russland hereingerutscht sind und welche gefährlichen Auswirkungen es haben wird.

Momentan wird in Pakistan viel investiert. Inwiefern glauben Sie, kann die internationale Wirtschaft auf die Entwicklung einwirken?

Pakistan hatte schon immer sehr viel Potential. Leider hatte das Land das in den Achtzigerjahren entstandene Problem der Mudschahedin/Taliban, die von den Amerikanern aufgerüstet wurden, um die Russen aus Afghanistan zu vertreiben. Erst jetzt hat der Armeechef Raheel Sharif seit einigen Jahren angefangen, mit Operationen gegen die Taliban vorzugehen. Das Land ist kaum noch Terrorattacken ausgesetzt. Die Wirtschaft kann und sollte jetzt weiter aufgebaut werden. Es wird auch vielfach schon getan, die Chinesen beispielsweise investieren in Telekommunikation, in Infrastruktur und so weiter. Auch die Sicherheit für die westlichen Firmen ist jetzt gewährleistet.

Sie persönlich gingen Ihren Weg vom jugendlichen Markthändler bis zum Investor und Private Equity Unternehmer. Wie schwer ist es als Pakistaner, sich in Deutschland zurechtzufinden?

Im Alter von acht Jahren kam ich nach Deutschland und war zuerst mit der Sprachbarriere konfrontiert, auch dem Gefühl, nicht willkommen zu sein. Es brauchte einige Zeit, sich mit dem neuen Schulsystem auseinanderzusetzen und die Sprache zu meistern. Ich habe diese Höhen und Tiefen erlebt. Als Jugendlicher habe ich später viele deutsche Freunde gefunden, mit denen ich auch sehr kontrovers diskutieren konnte. Die Deutschen habe ich als hart und direkt, jedoch auch als nicht heuchlerisch empfunden. Deutsche sind zu meinen besten Freunden geworden. Deutschland ist jetzt ein Migrationsland. Ich fühle mich auch als Deutscher und finde die Diskussion, wo jemand her kommt, als kontraproduktiv für die Eingliederung und Willkommenskultur. Wir müssen darüber hinausschauen.

Wie wichtig sind Ihnen Ihre kulturellen und persönlichen Verbindungen nach Pakistan denn noch?

Ich bin in Pakistan geboren, liebe das Land und es tut mir weh, wenn ich sehe, wie es wegen Religionsauseinandersetzungen und mangelndem Verständnis untereinander zerstritten ist.

Es ist ein Land, das viele Macher und international bedeutende Personen hervorgebracht hat, die die Welt positiv zu verändern suchen, beispielsweise den  Physiknobelpreisträger Abdus Salam, den Präsidenten des internationalen Gerichtshofes  und Präsident der UN-Generalversammlung Sir Muhammad Zafrullah Khan, um nur einige zu nennen, das kommt ja nicht von ungefähr. Pakistan kann der Weltgemeinschaft also einiges geben. Ich bin ein Mitglied der Ahmadiyya Muslim Gemeinde, für die die pakistanische Gesetzgebung nicht sicher ist und wäre daher Verfolgung im Land ausgesetzt. Ich kann mir gut vorstellen, wieder in Pakistan zu leben, wenn die Gesetze es erlauben.

Sie haben ein ganzes Buch über Einwanderung und Immigration geschrieben. Wenn Sie es in einem Satz erklären müssten: Warum braucht Deutschland Einwanderer?

Deutschland braucht Einwanderer, weil es ein Problem mit dem demographischen Wandel hat und die Renten auch durch Einwanderung gewährleistet werden müssen. Der zweite Satz über das Wie der Integration ist auch von mir bereits angedacht und in meinem Buch niedergelegt worden. Gern würde ich zu einem zweiten Interview kommen und dies in der Breite, die dem Thema gebührt, darlegen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Qaiser.