Rafy Ahmed ist gerade einmal 28 Jahren alt und hat sich bereits etwas aufgebaut, wovon viele junge Erwachsene träumen: Mit seinem eigenen Sportmode-Unternehmen hat er sich einen Namen im großen Modegeschäft gemacht. In einem Interview erzählt er uns von seinem Weg zur wahrscheinlich besten Entscheidung seines Lebens.

© Morotai

Wann hast du erkannt welchen Weg du gehen willst und wie genau ist deine Idee entstanden?

Ich wurde in Hyderabad in Pakistan geboren und bin im Alter von zwei Jahren mit meinen Eltern nach Deutschland gekommen, deshalb hatte ich einen etwas holprigen Start in meine Schullaufbahn. Ich hatte lange große Schwierigkeiten in der Schule und wusste auch nicht wirklich was ich machen will. Ich war daran interessiert viel zu reisen und die Welt zu entdecken. Mit 23 beschloss ich dann ein Studium für Modedesign in Pforzheim zu beginnen. Ich bin von Anfang an ein sehr auffälliger Student in meinem Studiengang gewesen, denn so viele Jungs waren wir dort gar nicht. Außerdem hat man natürlich gesehen, dass ich kein Deutscher bin, weshalb es viele überraschte Gesichter gab, die mich dort nicht wirklich zuordnen konnten.
Während der Endphase im Bachelor, als es um die Themenauswahl zur Bachelorarbeit ging, beschloss ich über etwas zu schreiben, was mir am Herzen liegt: Sport und Mode! Ich ging schon früh regelmäßig zum Sport, egal ob in den Verein oder ins Fitnessstudio, Sport war mir schon immer sehr wichtig. Ich bin aber auch sehr modebewusst und kleide mich gern ordentlich. Also was gab es da besseres, als an einer Sportkollektion zu arbeiten, die Mode und Praktizität im Sport vereint?
Ich habe bei der Erarbeitung der Kollektion immer mich selbst als Beispiel genommen und immer überlegt, was mir bei meiner Sportkleidung wichtig ist.

©Morotai

Was genau hat der Name MOROTAI mit deiner Geschichte zu tun? Gibt es da einen Zusammenhang?

Morotai ist eine indonesische Insel, ich sagte ja bereits, dass ich sehr gerne gereist bin und viele neue Orte entdeckt habe. Als ich in Indonesien war, hörte ich von der Insel Morotai, die aber sehr schwer zu erreichen ist. Über die Geschichte der Insel erfuhr ich, dass es im zweiten Weltkrieg einen Krieger gab, der die Insel bei einem Angriff ganz allein verteidigte. Das hat mich sehr inspiriert und mich an mich selbst erinnert. Ein Mann der alleine seinen Weg findet und für sein Ziel kämpft.

Wie stehst du denn zu deiner Heimat Pakistan? Und wo genau produziert ihr eure Kollektion? Und wie steht deine Familie zu dem Ganzen?

Mit Pakistan habe ich früher nicht viel positives verbunden. Nachdem ich mit meinen Eltern das Land verließ, habe ich nur negative Erfahrungen mit Landsleuten und Verwandten gemacht. Dies war der Grund weshalb ich mich aus der Community zurück zog und auch kein Interesse daran hatte Pakistan zu besuchen.
Als es an die Entwürfe und die Produktion meiner Kollektion ging, entschied ich mich über den Produktionsstandort Pakistan nachzudenken. Ich fand eine Firma in Sialkot und setzte mich mit ihnen in Verbindung. Mein Urdu ist immer noch sehr gut, weshalb ich auf Augenhöhe alles mit den Kollegen vor Ort verhandeln und besprechen konnte. Wir haben alle Entwürfe noch einmal gemeinsam bearbeitet und haben es dann erst in die Produktion geschickt. Mittlerweile pflege ich eine sehr gute Freundschaft zu meinen Geschäftspartnern vor Ort.

©Morotai

Diese Zusammenarbeit hat für mich auch noch mal ein ganz anderes Licht auf Pakistan geworfen. Ich habe das Land ganz neu kennengelernt und viele tolle und motivierte Menschen mit viel Fleiß und Engagement kennengelernt. Meine Mutter und meine Schwestern stehen hinter mir und sind sehr glücklich über das was ich erreicht habe.

Welchen Tipp würdest Jungunternehmern und gerade auch pakistanischen Jungunternehmern geben?
Es ist wichtig zu wissen, dass kein Nachteil durch einen Migrationshintergrund entsteht. Man hat einen klaren Vorteil, denn man kennt ein Land mehr und eine Sprache mehr. Außenstehende Menschen unterschätzen einen immer, ich war sogar an der Uni noch ein Problemfall und niemand wollte wirklich an mich glauben. Doch durch meinen Vorteil in Pakistan ist es mir gelungen mein Geschäft effizient aufzubauen und beiden Ländern was Gutes zu tun. Ich habe dort die Wirtschaft angekurbelt und hier auch einige Arbeitsplätze schaffen können.
Man sollte sich nie selbst unterschätzen und nicht darauf bauen, dass andere Menschen mehr Erfahrung haben oder das nötige Kleingeld. Ich bin oft sehr naiv an Sachen herangegangen und finde genau das hat sich ausgezahlt. Viele Entscheidungen treffe ich einfach aus dem Bauch heraus. Nutzt euer Sprachvermögen und das interkulturelle Verständnis! In China hätte ich sicher nicht so gut arbeiten und produzieren können.

©Morotai