Am 5. Mai 2016 war es endlich so weit: Zum ersten Mal in der Geschichte Londons wurde ein muslimischen Bürgermeister gewählt . Bei der Wahl setzte sich der Sohn pakistanischer Einwanderer, Sadiq Khan, mit 13,6 Prozentpunkten mehr gegenüber seinem Kontrahenten, dem Milliardärssohn Zac Goldsmith, durch.

Blickt man auf die Biografie Khans, so zeichnet sich eine klassische Aufsteigerkarriere ab: 1970 in Tooting geboren, wächst er zusammen mit seinen sieben Geschwistern in einer Sozialwohnung auf. Sein Vater arbeitet als Busfahrer, seine Mutter als Näherin. Als Kind habe er nicht einmal davon geträumt, jemals Bürgermeister zu sein. Bereits als Schüler muss er arbeiten, auf dem Bau oder als Zeitungsausträger. Doch dann geht es für ihn bergauf:

Nach seinem Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Nord-London arbeitet er drei Jahre lang als Rechtsanwalt für eine britische Menschenrechtsgruppe. Nachdem er 2005 von den Bürgern in seinem Heimatviertel über eine Direktwahl zum Abgeordneten gewählt wird und ins britische Unterhaus einzieht, ernennt ihn drei Jahre später Tony Blair zum Verkehrsminister. Damit erhält er die Ehre, erstes muslimisches Kabinettsmitglied zu sein. Privat ist Khan seit 1994 mit der Anwältin Saadiya Ahmed verheiratet. Die beiden haben zwei Töchter.

Wie war es Khan möglich, sich gegen Goldsmith durchzusetzen? Die politischen Gegner Khans setzen vergeblich auf die Strategie Rassismus. Dabei wird er sogar beschuldigt, Terroristen durch seine Arbeit als Menschenrechtsanwalt unterstützt zu haben. Entscheidend ist bei seinem Sieg nicht die Religion oder Khans Einstellung für einen Verbleib Groß-Britanniens in der EU im Vergleich zu Goldsmith gegnerischer Ansicht, sondern die Tatsache, dass die Bürger ihm im Kampf gegen die sozialen Probleme der Stadt mehr vertrauen. Er selbst bezeichnet sich als ‚britischer Muslim‘.

Was verspricht Khan? Obwohl die Mieten und Hauspreise in London bereits sehr hoch sind und stetig steigen, sagt er den Bürgern finanziell tragbare Wohnungen zu. Des Weiteren ist es sein Ziel, mehr Arbeitsplätze mit höheren Löhnen zu schaffen, für komfortablere öffentliche Verkehrsmittel zu sorgen und die Luft sauber zu halten.

Welche Aufgaben erwarten Khan? Seine Aktivität als Bürgermeister beginnt mit der Teilnahme an der jährlichen Holocaust-Gedenkveranstaltung im Nord-Londoner Rugby-Stadion. Er muss für eine geringere Wohnungsnot sorgen, die große Spanne zwischen arm und reich lindern und repräsentativ für eine Millionen-Metropole stehen.

In seiner Dankesrede versicherte Khan ein Bürgermeister für alle Londoner zu sein. Jeremy Corbyn, Chef der Labour-Partei, schrieb via twitter, er könne es nicht abwarten, gemeinsam mit Khan ein gerechtes London zu schaffen. Doch nicht nur Corbyn sprach sich positiv in Hinsicht auf Khans Sieg aus. Sogar der Bürgermeister Bill de Blasio aus New York übermittelte seinen Glückwunsch.