Imran Khan ist ein Mann, der weiß, was er will. In seinen Videos fährt er gerne mal einen dezenten Lamborghini. Natürlich durch Dubai, versteht sich. Oder er sitzt Kleopatra-Style auf einem Thron, Sonnenbrille auf der Nase und die obligatorische Raubkatze im Schlepptau. Die Chef-Attitüde scheint Khan wie auf den Leib geschneidert und man fragt sich, ob dieser Kerl in seinem Leben jemals auch nur den Hauch von Selbstzweifel hatte.

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Eine bewegte Kindheit

Vor 31 Jahren wird Imran Khan in der niederländischen Stadt Den Haag geboren. Als Sohn pakistanischer Einwanderer hat er keine einfache Kindheit, geht kaum zur Schule und hängt lieber auf dem Sportplatz rum.

Wie man es bei einer Vergangenheit auf der Straße erwarten kann, gehört Gewalt für Imran zum Alltag. Von diversen Auseinandersetzungen mit der Polizei, bei denen sowohl die Beamten als auch der Polizeihund auf die Nase bekommen, weiß der Musiker zu berichten. Selbst Vater und Mutter werden handgreiflich, worauf Imran ebenfalls mit Gegengewalt reagiert.

Die einzige Hoffnung damals ist der Sport, genauer genommen Basketball. Khan träumt von der NBA und ist sogar auf dem Sprung dorthin. Das niederländische Jugendauswahlteam der NBA will den talentierten Teenager mit nach Amerika nehmen. An den dafür benötigten 300 EURO scheitern allerdings die großen Träume. Zu arm ist die eigene Familie. Die anfängliche Enttäuschung wandelt sich jedoch schnell in zusätzliche Motivation für die Musikkarriere.

Eine Odyssee der Soundfindung

Imran Khan ist ein selbst gemachter Mensch. Schon immer auf sich allein gestellt, und während seine Geschwister studieren gehen, verdient Imran bereits sein erstes Geld. Mit dem ständigen Wissen, dass man in der heutigen Gesellschaft nur etwas zählt, wenn man reich ist, arbeitet er Tag und Nacht. Für nichts ist er sich dabei zu schade. Auch als Tellerwäscher verdient er sich damals die Brötchen. Oder besser gesagt: den Alkohol.

Das Erarbeitete wird nämlich meist schon am gleichen Wochenende wieder im Klub ausgegeben. Bei dieser nächtlichen Feierei lernt Khan dann auch seinen Förderer Shahid Mazar kennen. Mazar ist so beeindruckt von den musikalischen Fähigkeiten Imran Khans, dass er ihn im Handumdrehen mit nach Lahore in Pakistan nimmt, um dort mit den größten und bekanntesten Produzententeams des Landes sein Debutalbum aufzunehmen.

Mit der gleichen Arbeitsmoral, die der junge Künstler schon in seiner Jugend an den Tag legt, wird 2 Monate lang Tag ein Tag aus an den ersten Aufnahmen gearbeitet. Am Ende stehen acht fertig produzierte Songs und ein unzufriedener Imran Khan.

Zu traditionell ist das Ganze und kann die hohen Ansprüche des Punjabi Sängers, trotz zeit- und kostenintensiver Produktion, nicht zufriedenstellen.

Zurück in Europa kommen Khan und Mazar zu dem Schluss, dem Album ein urban feel zu geben.

Auf der Suche nach dem richtigen Sound führt ihn seine Reise weiter nach Großbritannien, wo Imran Khans erste Single entstehen soll. Abermals ist das Resultat für Khan allerdings unbefriedigend und er bricht seine Zelte ab, um zurück nach Holland zu gehen.

Auf der Suche nach dem richtigen Sound reist Imran Khan um die halbe Welt, strapaziert die Nerven und den Geldbeutel seines Unterstützers Shahid Mazar und findet sein Glück am Ende zwei Straßen entfernt von seinem eigenen zu Hause.

Mit dem türkischen Produzenten Eren E nimmt er in nur wenigen Tagen ein Demo mit dem Titel Ni Nachleh auf. Der Track wird nur wenige Monate später, im Juni 2007, über das von Shahid Mazar gegründete Label Prestige Records veröffentlicht.

One Hit Wonder oder Superstar?

Ni Nachleh wird über Nacht einer der erfolgreichsten Punjabi Songs aller Zeiten und Khan findet sich auf Bühnen in der ganzen Welt wieder. Von den Straßen Den Haags in die Konzerthallen der Welt, vom armen Kind pakistanischer Einwanderer, zu einem der meist gespielten Künstler im asiatischen Radio.

Das bringt einen Lebensstil mit sich, an den man sich natürlich erst mal gewöhnen muss. Eine Tatsache, die sich auch auf den kreativen Output des Künstlers auswirkt und für ihn Grund genug ist, sich schon bald eine Auszeit zu nehmen, um sich komplett auf die Arbeit an seinem Debutalbum zu konzentrieren.

Der Erfolg seiner ersten Single lässt die Erwartungen der Musikindustrie in die Höhe schießen. Alle großen Labels warten gespannt auf das erste Album des Sängers.

Am 27 Juli 2009 hat das Warten endlich ein Ende. Prestige Records veröffentlicht Khans Debut Album Unforgettable. Ein unvergesslicher Moment sowohl für Khan als auch für alle seine Fans.

Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten, die Single Amplifier verbucht schon innerhalb der ersten Woche mehr als zwei Millionen Views auf Youtube. Und auch das Album steigt auf Nummer fünf in den iTunes- Charts. Imran Khan hat es endgültig zum Superstar der Punjabi Szene geschafft.

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Dem Tod gerade noch entkommen

Was tut ein Mensch der am Ziel seiner Träume ankommt? Er feiert es. Gebührend. Imran Khan beginnt eine weltweite Tour zu seinem Album, kann mehrere Awards einheimsen und performt für seine Fans auf der ganzen Welt. Im Jahr 2010 kehrt der pakistanische Sänger dann zurück in das Land seiner Eltern und spielt 30 Konzerte in nur einem Monat.

2011 wird ihm dieser intensive Lebensstil jedoch zum Verhängnis.

Bis zu zehn Flaschen Alkohol auf einmal trinkt der Künstler zu dieser Zeit. Sein Leben besteht aus Live-Auftritten, Alkohol und Geld. Betrunken stürzt er eine Treppe herunter und zieht sich einen Schädelbasisbruch und Rippenbrüche zu. Mit Hirnblutungen entkommt Khan damals nur knapp dem Tod. Mehr als einen Monat lang setzt ihn der Unfall außer Gefecht. Rückblickend sieht Imran Khan diesen Unfall als Zeichen Gottes. Ein Weckruf, der ihn dazu bringt, sein Leben zu ändern. Viel verantwortungsbewusster ist er dadurch geworden. Und auch Religion spielt seit diesem Unfall eine große Rolle in seinem Leben. Einmal am Tag betet er und liest zudem regelmäßig im Koran.

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Aber nicht nur im Privaten, auch beruflich ist 2011 ein ereignisreiches Jahr für Khan. Er verlässt seine bisherige Plattenfirma Prestige Records, um sein eigenes Label unter dem Namen IK Records zu gründen. Ein Schritt, der durchaus nachvollziehbar ist für einen Mann, der ganz genau weiß was er will.

Als unabhängiger Künstler veröffentlicht Khan im Jahr 2013 zunächst die Single Satisfya. Mit fast 40 Millionen Views auf Youtube ein absoluter Erfolg. Es folgt der Track Imaginary und die aktuelle Single Hattrick. Die Songs machen Geschmack auf ein kommendes Album und lassen Fans und Musikwelt ungeduldig warten.

Imran Khan ist Visionär, Perfektionist und Arbeitstier. Mit Mittelmaß hat und wird er sich niemals zufriedengeben. Dabei hat er gelernt, dass Qualität Zeit braucht. Khan ist kein Künstler, der jedes zweite Jahr ein Album veröffentlicht. Er ist keiner, der sich mit etwas zufriedengibt und einfach mal etwas raushaut, um seine Kritiker zu beruhigen. Der Erfolg gibt ihm dabei Recht.