Jeder kennt sie: Die Fressgassen, die es in manchen Städten gibt und in denen sich Restaurant an Restaurant reiht. Die Temple Road in Pakistan setzt dem ganzen die Krone auf.

Den sozialen Lebensmittelpunkt von Lahore bildet die Straße voller Imbisse, Bistros, Stände und Restaurants. Von Teeläden über eine Bäckerei bis hin zum gerösteten Hähnchen ist für jeden etwas dabei, und das zu jeder Tageszeit. Sobald die Imbisse spät in der Nacht schließen, öffnen Frühstücksstände. Jeder, der sich die modernen Restaurants in den reichen Stadtteilen nicht leisten kann, kommt täglich hierher, um sich seine Ration Street Food abzuholen.

Pakistanisches Essen ist der indischen Küche zwar sehr ähnlich, jedoch wird weniger Wert auf vegetarische Gerichte gelegt. Hier gibt es Hähnchen, Fleisch und Innereien, aber auch Currys, Kichererbsen, frittiertes Brot und süße Desserts aus Kokos und Kondensmilch oder Grießbrei. Wer will, kann auch eine Mahlzeit bezahlen, die dann an den nächsten Bedürftigen ausgegeben wird.

Der Politik kann man dabei aber nicht ganz entfliehen. Einige Lokale sind eher links orientiert, wieder andere gelten als Islamistentreffpunkt. Auch die Geschichte hat ihre Spuren auf der Temple Road hinterlassen. Während vor einigen Jahrzehnten noch laute, indische Musik in den Straßen zu hören war und man öffentlich ein Bier trinken konnte, wurde dies durch die strikte Islamisierung des Staates in den letzten Jahren unterbunden. Trotzdem ist die Temple Road ein kulinarisches Abenteuer, bei dem man Pakistan in seiner kulturellen Pracht auch abseits von dem negativen Bild erleben kann.